Warum Ratten nicht ins Aquarium oder Terrarium gehören

Kathrin Guttmann Wissen

Immer wieder stoße ich bei Ebay oder Ebay-Kleinanzeigen auf völlig ungeeignete Behälter, die als Rattenkäfig angeboten werden. Neben viel zu kleinen Draht-Gefängnissen, in die ich manchmal noch einmal eine Maus setzen würde, finde ich auch immer wieder Aquarien, Terrarien oder sogenannte "Nagarien", die angeblich zur Rattenhaltung geeignet sein sollen. Dabei ist von der Verwendung derartige Behausungen mit Glaswänden dringend abzuraten, da die Belüftung nur sehr unzureichend ist. Selbst in mit Lüftungsschlitzen versehenen Terrarien oder Nagarien mit Drahtabdeckung reicht die Belüftung in Bodennähe nicht aus.

Bereits 1976 konnte in einer Studie gezeigt werden, dass sich in derartig geschlossenen Behältern mit unzureichender Ventilation in Bodennähe so viel Ammoniak sammelt, dass es zu Veränderungen der Luftröhre und Bronchien, Veränderungen des Schleimflusses und im schlimmsten Fall zur Zerstörung der Schleimhautoberfläche der darin gehaltenen Tiere führen kann.  Ammoniak entsteht, wenn Urease-positive Bakterien den Harnstoff in den Ausscheidungsprodukten der Tiere zerlegen. Ammoniak ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff mit der Summenformel NH3. Es ist ein stark stechend riechendes, farbloses, wasserlösliches und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt.

In der Studie wurden Mäuse und Ratten in standardisierten M2 Käfigen der Firma NKP Cages gehalten und das Ammoniak-Level im Verlauf ermittelt. Bereits in den ersten 24 Stunden nach der Käfigreinigung waren erste Mengen von Ammoniak feststellbar. Das Ammoniak-Level stieg dann innerhalb einiger Tage auf ein Level von 100-200 p.p.m. an, das dann konstant blieb bis zur nächsten Reinigung des Käfigs. Temperatur und Luftfeuchtigkeit hatten einen Einfluss auf die Bildung von Ammoniak, wobei sich  im Rahmen der typischen Haltung von Mäusen und Ratten bei 21° C Raumtemperatur die höchste Freisetzungsrate zeigte. Eine Konzentration von 100 p.p.m. (entspricht 0,1 ml/l bzw. 100 ml/m3) liegt dabei bereits deutlich über dem Grenzwert für Arbeitsschutz von maximal 20 ml/m3.

Ratten, die in solchen Käfigen leben, sind also permanent einem deutlich erhöhten Ammoniak-Level ausgesetzt, dass ihre empfindlichen Atemwege schädigen kann. Aus dem Grund sollte man auf keinen Fall Aquarien, Nagarien oder Terrarien verwenden.

Quelle: Gamble, M. R. & Clough, G. (1976). Ammonia Build-Up in Animal Boxes and its Effect on Rats Tracheal Epithelium, in Laboratory Animals, 10, pp. 93-104.