Ratten D-Wurf Durga 29.97.17

Überlegungen vor dem Ratten-Kauf

Kathrin Guttmann Haltung, Wissen

Auch wenn nur klein sind und eine geringe Lebenserwartung haben: Ratten sind Lebewesen, die gewissen Ansprüche haben und für die man als neuer Besitzer die Verantwortung übernimmt. Ob man der gerecht werden kann, sollte man vor der Anschaffung gut überlegen. Folgende Punkte sollen dabei helfen festzustellen, ob Ratten wirklich die richtigen Partner sind...

Platzbedarf: Viel Platz für kleine Ratten

Ratten benötigen einen relativ großen Käfig. Die Maße sollten 50 cm Tiefe und 80 cm Breite bei einer Mindestgrundfläche von 0,5 qm nicht unterschreiten. Der Käfig muss mehrere Etagen haben und mindestens 100 cm hoch sein, bei einer Breite von unter 100 cm mindestens 120 cm. So ein Käfig nimmt selbstverständlich viel Raum ein, was unbedingt berücksichtigt werden muss.

Zusätzlich zum Käfig muss den Ratten täglich Freilauf in einem geschützten Bereich ermöglicht werden. Dieser Bereich muss so gestaltet sein, dass die Tiere keinen Gefahren z.B. durch Abstürze, Einklemmen, Anknabbern elektrischer Leitungen oder Giftpflanzen ausgesetzt sind.

Lautstärke: Viel Lärm um nichts

Ratten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Anders als z.B. Hamster sind sie relativ flexibel, was ihre Schlaf- und Wachzeiten angeht und werden durchaus auch tagsüber aktiv, dennoch muss man unbedingt bedenken, dass die Tiere auf jeden Fall auch nachts im Käfig unterwegs sind, trinken, fressen, toben und quieken. Und dabei sind sie nicht unbedingt leise. Wer also seine Ratten im selben Raum unterbringen möchte, in dem auch das Bett steht, sollte sich das vorher gut überlegen.

Geruch: Es liegt was in der Luft...

Wie alle Tiere haben auch Farbratten ihren ganz eigenen Geruch. Mit dem richtigen Futter, einer guten Einstreu und einem sinnvollen Putzplan kann man den Geruch in Grenzen halten, aber Ratten sind definitiv nicht geruchslos. Bei der Wahl des Standortes für den Käfig muss das unbedingt berücksichtigt werden.

Dreck: Kleine Schweinchen

Auch wenn Ratten nicht dem Klischee der dreckigen Kanalratte entsprechen und an sich viel Zeit in ihre Körperpflege investieren, bringt ihre Haltung es einfach mit sich, dass es um den Käfig herum und im Auslauf zu Verschmutzung kommen kann. Viele Ratten lassen sich an die Nutzung von Nagertoiletten gewöhnen, aber sie sind darin nie so konsequent wie Katzen und verrichten ihre Notdurft unter Umständen einfach da, wo es gerade passt. Der Rattenkäfig muss eine gute Durchlüftung gewährleisten, vollständig z.B. mit Plexiglas verkleidete Käfige sind nicht tiergerecht. Daher lässt sich kaum vermeiden, dass Streu aus dem Käfig auf den Fußboden fällt. Leider hat Einstreu den Nachteil, sich innerhalb kurzer Zeit in der Wohnung zu verteilen. Ratten sollte man sich nur anschaffen, wenn man damit leben kann.

Urlaubsbetreuung

Ratten haben leider immer noch keine besonders gute Lobby. Bedenken Sie rechtzeitig, dass nicht jeder Freund, Bekannte, Nachbar oder Familienangehörige bereit ist, sich während Ihres Urlaubs um die Tiere zu kümmern. Planen Sie das rechtzeitig ein. Stellen Sie auch sicher, dass die Tiere versorgt sind, wenn Sie während der Urlaubsbetreuung erkranken.

Tierarzt: Kosten einplanen

Wie jedes Tier können auch Farbratten einmal krank werden. Atemwegsinfektionen sind relativ verbreitet und können recht hartnäckig sein. Farbratten erkranken leider häufig an Neoplasien (Tumoren), die glücklicherweise in vielen Fällen gutartig und operabel sind. Auch wenn eine gewisse Tumorneigung linienbedingt sein kann, können auch Ratten von den seriösesten Züchtern und aus den gesündesten Zuchtlinien bereits relativ jung Geschwulste entwickeln. Planen Sie also ein, dass in so einem Fall entsprechende Tierarztkosten auf sie zukommen können.

Lebenserwartung: Keine Methusalems

Ratten haben keine besonders hohe Lebenserwartung. In der Regel ist davon auszugehen, dass die Tiere 2-3 Jahre alt werden und bereits ab einem Alter von 2 Jahren mit deutlichen Alterserscheinungen zu rechnen ist. Das bedeutet einerseits, dass man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, auch ein Tier mit altersbedingten Einschränkungen gut zu versorgen. Zum anderen bedeutet es auch, dass man sich von vornherein darüber im Klaren sein muss, dass der Abschied von seinem Liebling mittelfristig ein Thema werden wird.

Rudelhaltung: Alleine geht es nicht

Ratten sind Rudeltiere, die immer in Gruppen von mindestens drei Tieren gehalten werden müssen, da sich nur so stabile Hierarchien aufbauen können und die Tiere ansonsten unter Stress leiden. In seltenen, wohl überlegten Einzelfällen kann es vorkommen, dass eine Integration in ein Rudel nicht mehr sinnvoll ist, z.B. wenn absehbar ist, dass ein Tier aufgrund inoperabler Tumore oder einer fortgeschrittenen Hinterhandlähmung nur noch eine sehr kurze Lebenserwartung hat.  Hierbei handelt es sich allerdings wirklich um seltene Ausnahmen. In der Regel ist davon auszugehen, dass man ein Rudel wieder auf mindestens drei Tiere aufstocken muss, wenn der Bestand auf zwei Tiere sinkt. Das ist in der Regel mit etwas Aufwand verbunden. Möchte man keine neuen Tieren mehr aufnehmen, gibt es nur die Option, die noch vorhandenen Tiere an einen neuen Besitzer mit einem entsprechenden Rudel zu vermitteln. Das ist nicht immer einfach, da es sich bei den "übrig gebliebenen" Tieren oft auch nicht mehr um die jüngsten handelt (aus dem Grund raten wir dazu, wenn möglich ein Rudel mit gemischter Altersstruktur anzuschaffen - so bleiben in der Regel Tiere "übrig", die noch jünger und damit leichter vermittelbar sind). Dieser Umstand sollte auf jeden Fall bereits bei der Anschaffung bedacht und gut überlegt werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass selbst der seriöseste Züchter in so einem Fall nicht immer alle Tiere, die aus seiner Zucht stammen, zurücknehmen kann - das würde vielfach den Platzbedarf sprengen. Überlegen Sie lieber frühzeitig, wie sie vorgehen, wenn Sie ihre Tiere nicht mehr halten wollen.

Farbratten und Kinder: Eigenverantwortung schwierig

Sie möchten Farbratten für Ihr Kind anschaffen? Dann lesen Sie bitte unbedingt vorher den Artikel "Kinder und Haustiere"