Zwei Jungtiere einer Mutterratte mit Mastitis. Eines der Tiere ist deutlich in der Entwicklung zurück.

Failure to Thrive (FTT) - Gedeihstörungen bei Ratten

Kathrin Guttmann Gesundheit, Wissen, Zucht & Genetik

Bei dem sogenannten Failure to Thrive (Gedeihstörungen) handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, die nicht nur bei Ratten auftritt. Bei Katzen ist dieses Phänomen zum Beispiel unter dem Begriff "Fading Kitten Syndrome" bekannt. Dabei muss ein Failure to Thrive klar von einem Kümmerling (Englisch "Runt") unterschieden werden. Ein Runt ist das kleinste Jungtier im Wurf. Der teilweise deutlich kleinere Runt entwickelt sich aber mit der gleichen Geschwindigkeit wie seine Geschwister, nimmt zu, durchläuft alle Entwicklungsstufen (Fellwachstum, Augen öffnen, Nest verlassen) zusammen mit seinen Geschwistern und holt im Laufe der Entwicklung manchmal sogar auf. Er entwickelt sich in der Regel zu einem völlig normalen adulten Tier.

Wenige Tage alte Rattenbabies. FTT (links) im Vergleich mit einem normal entwickelten Jungtiere (Once upon a mischief rattery)

Wenige Tage alte Rattenbabies. FTT (unten) im Vergleich mit einem normal entwickelten Jungtiere (Once upon a mischief rattery)

Bei einem Failure to Thrive ist das anders. Während er bei der Geburt unter Umständen noch ein ähnliches Gewicht hat wie seine Geschwister, zeigt sich bald deutlich, dass er in er Entwicklung hinter seinen Geschwistern zurück bleibt. Er ist deutlich kleiner und leichter als seine Geschwister. Dabei nimmt er nicht wie ein Runt im gleichen Maß wie sie zu, sondern wächst wenn überhaupt deutlich langsamer, so dass der Abstand zu seinen Geschwistern immer deutlicher wird. Es kann sogar zur Gewichtsabnahme kommen. Selbst zufüttern hat bei einem Failure to Thrive oft nicht den gewünschten Effekt. Die betroffenen Jungtiere wirken oft sehr mager (man kann z.B. die Rippen durch das Fell erkennen) und fast wie ausgetrocknet. Entwicklungsmeilensteine (Fellwachstum, Augen öffnen usw.) erreichen sie oft deutlich später als ihre Geschwister. Gelingt es, einen Failure to Thrive bis ins Erwachsenenalter durch zu bringen, sind die Tiere meist sehr viel kleiner als normal und äußerst krankheitsanfällig.

Ein Failure to Thrive (5. v.l.) zwischen seinen gleichaltrigen Geschwistern

Failure to Trhive (oben) und sein gleichaltriges Geschwisterchen

Failure to Thrive wirken oft ausgezehrt

Ein Failure to Thrive muss selbstverständlich auch von einer Zwergratte (Dwarf) unterschieden werden. Zum einen bietet die Abstammung einen Anhaltspunkt, ob unter Umständen ein Dwarf vorliegen kann, zum anderen entwickeln sich Dwarf-Ratten mit der selben Geschwindigkeit wir ihre Geschwister. Anders als eine Failure to Thirve wirken sie auch nicht ausgezehrt.

Die Ursache für Failure to Thrive können oft nicht eindeutig ausgemacht werden. In Frage kommen genetische Defekte (in einigen Linien soll es verstärkt zu FTT kommen), aber auch Kontakt mit Giften (z.B. bei einer Mastitis der Mutter).

Die Prognose für einen Failure to Thrive ist sehr schlecht. Greift man nicht ein, wird er in der Regel langsam immer schwächer werden und dann verhungern. Teilweise verdrängen die Mütter betroffenen Jungtiere aus dem Nest oder töten sie. Dieses Verhalten ist für die Tiere sehr sinnvoll, dann so verhindert die Mutterratte, dass ein Jungtier, dass ohnehin das Erwachsenenalter nicht erreichen wird, den Geschwistern Milch weg trinkt.

Die große Frage ist jetzt, ob man als verantwortungsvoller Züchter eingreifen sollte wenn ja, auf welche Art und Weise. Auf gar keinen Fall sollte man die größeren Geschwister zweitweise von der Mutter entfernen, um dem Failure to Trhive zu ermöglichen, ungestört zu säugen. Das würde lediglich dazu führen, dass an die Geschwistertiere ebenfalls in ihrer Entwicklung gestört werden. Einzige Möglichkeit ist, betroffene Tiere mit der Hand zu zufütter. Allerdings sollte man sich nicht allzu große Hoffnung machen, einen Failure to Thrive durchzubringen, da selbst dann die Entwicklung so stark gehemmt sein kann, dass das Tier nicht richtig zunimmt, da es Nährstoffe nicht richtig verarbeiten kann. Meist wird einem nichts anderes übrig bleiben, als das Leiden des Tieres zu verkürzen und es zu euthanasieren.

Treten Failure to Thrive in einer Linie verstärkt auf, muss eine genetische Prädisposition in Betracht gezogen werden. In dem Fall kann es notwendig sein, eine Elterntiere und Geschwister von der Zucht auszuschließen.