Abtreibung bei Ratten

Kathrin Guttmann Gesundheit, Wissen, Zucht & Genetik

Auch wenn manchem Amenmärchen von einer wundersamen befruchtung von Rattenweibchen durch Gitterstäbe nicht wirklich glauben zu schenken ist, kann es einmal vorkommen, dass eine Ratte ungewollt trächtig wird. Die Abtreibungsspritze mit Alizin (Aglepriston) kann dann eine Lösung sein.

Der Wirkstoff Aglepristion (Handelsname Allizin) ist ein Antihormon und Antiprogestin bzw. Antigestagen. Es handelt sich um ein hormonähnliches Steroid, welches eine hohe Bindungsfähigkeit (Affinität) an Progesteron-Rezeptoren, aber keine Progesteron-Wirkung besitzt. Sie binden kompetitiv zum körpereigenen Progesteron an die Progesteronrezeptoren, ohne dass jedoch die nachfolgende Transkription eingeleitet wird. Somit wird gezielt die Progesteronwirkung aufgehoben (Hoffmann 2006; Fieni 2001a). Da es die Rezeptoren für dieses Hormon an der Gebärmutter (Uterus) blockiert, kann es nicht seine, die Trächtigkeit erhaltende Wirkung erzielen.

Anwendung findet Alizin vor allem bei Hündinnen, bei denen es die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindert bzw. eine bestehende Trächtigtkeit vorzeitig beendet.

Die Behandlung besteht aus 2 Injektionen von je 10 mg Aglepristone pro kg Körpergewicht, entsprechend 0.33 ml Alizin™ pro kg Körpergewicht im Abstand von 24 Stunden. Die Höchstkonzentration im Plasma wird 2.5 Tage nach der 2. Injektion erreicht (ca. 280 ng/ml). Die durchschnittliche Verweilzeit im Plasma beträgt 6 Tage. Die Ausscheidung erfolgt sehr langsam. Lediglich 60% der verabreichten Dosis wird innerhalb der ersten 10 Tagen ausgeschieden, ca. 80% innerhalb von 24 Tagen. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich über die Fäzes (90%) (Quelle: CliniPharm und Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus: Diagnostischer Leitfaden von Anja Ewringmann,Barbara Glöckner).

Einige Quellen führen an, dass bei der Durchführung eines Trächtigkeitsabbruchs mit Alizin ist zu bedenken ist, dass das Antihormon einen beträchtlichen Eingriff in den Hormonhaushalt des Muttertieres darstellen kann (Rattenzauber). Es sei daher abzuwägen, ob es wirklich sinnvoll und notwendig ist, einen Trächtigkeitsabbruch durchzuführen. Es wird sogar empfohlen, die Ratte den Wurf austragen zu lassen und im Anschluss die Neugeborenen Welpen zu euthanasieren, wenn eine Vermittlung nicht aussichtsreich ist. Dem kann man entgegen halten, dass nur wenige Nebenwirkungen von Alizin bekannt sind. An der Injektionsstelle kann es zu einer schmerzhaften und juckenden Entzündungsreaktion kommen (Hubler 2000; Gorlinger 2002; Fieni 2006b; Pettersson 2009). Diese verschwindet normalerweise innerhalb von 2 Wochen. Es wird empfohlen, die Injektionsstelle nach der Applikation zu massieren (Fieni 2001a). Bei einer Abwägung des Für und Wider eines Einsatzes von Alizin ist auch zu berücksichtigen, dass eine Trächtigkeit eine Belastung für das Muttertier darstellen kann. Gerade bei sehr jungen, ungewollt gedeckten Weibchen muss bedacht werden, dass eine Geburt mit Komplikationen verbunden sein kann.