Bemerkung zu den Begriffen
Rassestandard und Zuchtziel

In der deutschen Rattenzüchter-Szene gibt es eine sehr besondere Sichtweise zur Bedeutung von Zuchtzielen. Dazu findet man bei farbrattengenetik.de.tl

Die meisten Farbrattenzüchter haben eine eigene Homepage, wo sie ihre Zuchtgründer und Zuchtziele niederlegen und dem potentiellen Käufer erklären. Wichtig ist bei diesen „Zuchtzielen“ darauf zu achten, dass die formulierten Inhalte nicht eine bloße Kopie der Zuchtziele andere Züchter in Deutschland sind und vor allem müssen diese beim Besuch der Zucht transparent und prüfbar sein.farbrattengenetik.de.tl

Diese Forderung legt nahe, dass jeder Züchter seine ganz individuellen Zuchtziele festzulegen hat, die sich möglichst deutlich von den Zuchtzielen anderer Züchter unterscheiden sollten, um nicht in den Verdacht zu geraten, die Zuchtziele bloß kopiert zu haben.

Diese Sichtweise ist meiner Meinung nach grundlegend falsch und weicht vom Verständnis des Begriffs des Zuchtziels in der Zucht vieler anderer Tierarten eklatant ab.

Bei vielen Rassetieren wie Katzen, Hunden, Pferden, ja selbst bei siamesischen Kampffischen werden die Zuchtziele nicht vom einzelnen Züchter nach persönlicher Vorliebe subjektiv festgelegt, sondern in Form eines Rasse- oder Zuchtstandards von Zuchtverbänden mit entsprechenden Gremien, in denen sich jeder Züchter engagieren kann, einheitlich definiert. So wird verhindert, dass jeder Züchter aufgrund subjektiver Vorlieben stark von einander abweichende Linien zieht und gewährleistet, dass alle in einem vorgegebenen Rahmen in die gleiche Richtung arbeiten. Selbstverständlich lässt auch ein noch so eng definierter Rassestandard immer noch relativ freien Rahmen für eigene Schwerpunktsetzungen und erlaubt eine gewisse Variabilität. Im großen und ganzen haben sich Züchter aber an die in ihrem Verband definierten Standards zu halten und es ist nicht nur geduldet, sondern sogar wünschenswert, wenn die Rassestandards des Zuchtverbandes als persönliches Zuchtziel übernommen werden.

So definiert Wikipedia:

Als Rassestandard oder Zuchtstandard bezeichnet man in der Zucht von Haustieren und Nutztieren die von Zuchtverbänden definierten und festgeschriebenen, charakteristischen Merkmale einer Rasse, die als Zuchtziel angestrebt werden.Wikipedia

Aus dieser Überzeugung heraus und weil ich die dort definierten Rassestandards für die Zucht der Farbratte einleuchtend und überzeugend finden, halte ich mich grundsätzlich erst einmal an die Rassestandards der National Fancy Rat Society NFRS (Großbritannien, ältester reiner Rattenzuchtverband) und der American Fancy Rat & Mouse Association AFRMA (1983 gegründet). Die Zuchtstandards beider Verbände sind aufgrund ihrer Bedeutung unten wieder gegeben.

In meiner Zucht möchte ich verbessern.

Meine Zuchtziele

  • Connector.

    Gesundheit

    Höchste Priorität hat bei mir die Gesundheit. Da ich von einer erblichen Komponente bei der Tumorveranlagung der Farbratte ausgehe, schließe ich Tiere aus der Zucht aus, unter deren Vorfahren, Nachfahren oder sonstigen Verwandten sich gehäuft frühe Fälle von Tumorbildung finden. Sollte ein Weibchen bei zwei Würfen Probleme mit der Milchproduktion haben und/oder die Welpen nicht annehmen, werden das Weibchen und alle Nachfahren aus der Zucht ausgeschlossen. Ich nehme keine Letal-Verpaarungen vor. Wenn in einer Linie verstärkt Failure to Thrive (Gedeihstörungen) auftreten, werden Tiere aus den entsprechenden Würfen sowie deren Elterntiere von der Zucht ausgeschlossen. Bei meinen Harley-Zuchttieren achte ich besonders darauf, dass sie keine chronischen Hautveränderungen aufweisen.

  • Connector.

    Charakter & Temperament

    An zweiter Stelle stehen für mich Charakter und Temperament der Tiere. Ich züchte nur mit charakterlich einwandfreien Tieren, die sich dem Menschen und anderen Ratten gegenüber freundlich und offen zeigen. Die Tiere dürfen auf keinen Fall dazu neigen, den Menschen zu beißen. Sie sollten neugierig sein und ein gutes Erkundungsverhalten zeigen (geringe Xenophobie). Übermäßig aggressive Tiere schließe ich aus der Zucht aus, ebenso wie ausgesprochen ängstliche Tiere. Weibchen sollen sichere Mutterinstinkte haben und sich gut um ihre Jungen kümmern. Das genetisch veranlagte Temperament der Tiere überprüfe ich in standardisierten Tests ab einem Alter von vie Wochen sowie im täglichen Handling.

  • Connector.

    Körperbau & Erscheinungsform

    Bezüglich Körperbau und Erscheinungsform halte ich mich an den Standard der National Fancy Rat Society (UK) und der American Rat and Mouse Association. Gute Größe (Weibchen > 300g, Männchen >500 g), langer und sportlicher Körper, kräftiger Knochenbau, gut gewölbte Lende, langer, aber nicht spitzer Kopf, breiter Schädel mit genügend Platz zwischen Augen und Ohren, gut entwickelte, lange und gerade Vibrissen, große, runde Augen, weit auseinanderstehende Ohren, aufrecht und ohne Falten mit runder Form und von guter Größe, Schwanz mit dicker Basis, sich zur Spitze hin fein verjüngend, ohne Knicke, die Länge sollte der Körperlänge entsprechen oder etwas länger sein.

  • Connector.

    Felltyp

    Bezüglich des Fells der Tiere konzentriere ich mich auf die Zucht von Tieren mit dem Felltyp Harley (Langhaar, Angora). Hierbei strebe ich ein möglichst langes, dichtes, seidiges, glänzendes Fell ohne kahle Stellen an, die Vibrissen sollen lang und kräftig sein, so dass sie nicht abbrechen. Der Fellwechsel soll zügig und problemlos ablaufen, ohne dass die Tier zwischenzeitlich kahl werden. Mir ist bewusst, dass es bereits vereinzelt Züchter gibt, die dieses Ideal in ihren Linien verwirklicht haben, allerdings bin ich der Meinung, dass noch zu wenig qualitativ hochwertig Harleys verfügbar sind und dass sich die Population hochwertiger Harleys nicht auf einige wenige Linien beschränken sollte.Die Farbe der Tiere ist für mich erst einmal nachrangig. Fellqualität geht für mich auf jeden Fall vor Farbqualität.

Mein derzeitiger Stand bezüglich meinen Zuchtziele (April 17)

Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Zucht. Meine ersten Verpaarungen habe ich am 27.03.2017 angesetzt, mein erster Wurf Babies wurde am 19.04.2017 geboren (die zweite Rattendame hatte nicht aufgenommen). Daher kann ich bisher nur eine Einschätzung der Tiere abgeben, die als Foundation die Basis meiner Zucht bilden werden. Ich habe Harleytiere und Harley-Träger*Innen von verschiedenen Hobbyzüchtern*innen in meinem Bestand, die auch auf unterschiedliche Linien zurückgehen. Meine Harleys haben eine sehr unterschiedliche Fellqualität. Einige Tiere hatten große Probleme im Fellwechsel und waren teilweise vollständig kahl, was aber auch an einer eingeschleppten Pilzinfektion gelegen haben kann. Andere sind völlig problemlos ohne kahle Stellen, sondern über eine kurzhaarige Zwischenstufe durch den Fellwechsel gekommen. Jetzt im adulten Stadium variiert das Fell von Tier zu Tier von fein, aber gleichmäßig bis zu leicht löchrig. Auffällig ist bei einem Tier, dass es jedesmal zum jahreszeitlichen Fellwechsel zu einigen eher kahlen Stellen kommt, die sich dann wieder verwachsen. Mein Hauptaugenmerk liegt zur Zeit auf der Verbesserung der Vibrissen in meiner Linie, da die Vibrissenqualität sich direkt auf die Lebensqualität auswirkt. Ich denke zwar, dass Ratten auch mit kurzen Vibrissen hinreichend orientierungsfähig und nicht wirklich behindert sind, bin aber der Meinung, dass auch den kleinsten Einschränkungen der natürlich Sinne der Ratte züchterisch entgegen gewirkt werden muss. Dies versuche ich nun durch gezielte Selektionszucht zu erreichen.


Anmerkung: Züchter mit etablierten Harley-Linie äußern sich oft sehr negativ über Züchter, deren Harley-Linie noch am Anfang stehen. Teilweise werden Anfänger sogar bezichtigt, Qualzuchten zu fördern. Bitte behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass auch alle diese Züchter mit Tieren angefangen haben, die nicht perfekt waren, die teilweise keine hervorragende Fellqualität hatten und deren Vibrissen noch brüchig waren.

Hinzu kommt, dass ein erfahrene/r Züchter*in einer/m Anfänger*in natürlich immer empfiehlt, unbedingt Tiere von einem/r etablierten Züchter*in mit bewährten Linie als Grundstock für ihre/seine Zucht nehmen sollen. Im gleichen Atemzug wird diese/r etablierte Züchter*in dann aber sagen, dass sie/er selbst natürlich auf keinen Fall Tiere an eine/n Anfänger*in geben wird und er/sie auch niemanden kennt, der/die das tun würde. Es ist also für eine/n Anfänger*in so gut wie unmöglich, Tiere aus wirklich guten Linien zu erwerben.

Auf meine Frage hin, wo um alles in der Welt man denn als Anfängerin gute Tiere her bekommen soll, hat mir eine durchaus renommierte Züchterin tatsächlich empfohlen, wie sie zu ihren Anfängen auf Zooladentiere oder Tiere aus eine Notvermittlung zurück zu greifen.

Internationale Rassestandards

The general appearance should be pleasing to the eye, with good outline and inquisitive attention. The body should be long and somewhat racy in appearance, and show strong bone. The loin should be well arched.
AFRMA OFFICIAL RAT STANDARD, Adopted by the American Fancy Rat and Mouse Association
Animals should be maintained in good weight, to emphasize their good qualities. The coat should be short, smooth, and glossy (except Rex), with the males having somewhat longer and coarser hair. It should show a natural high shine and densely cover the body.
The head should be long and clean in outline, not too fine or pointed at the muzzle. The skull should show breadth as well as length and have good width between the eyes, as well as the ears. The whiskers at the muzzle should be well developed, being long and straight (except Rex, Satin, Hairless).
The eyes are to be large, bold, and prominent, showing animation and interest.
The ears should be set far apart on the head, standing erect, and being free from folds or creases. They are rounded in shape, and of good size.
The tail should come out of the back, and be thick at the base, tapering to a fine point, and is to be free of kinks. The length should be equal to the body, or slightly longer.
Size is not to disqualify any rat, but all other things being equal, the larger animal shall have the advantage. The average size should be eight to ten inches in length, measured from nose to tail set-on, with approximately the same length for the tail; males being slightly larger than the females.
All rats must be tractable and easy to handle. Any evidence of physical defects or unsteady temperament, shall be penalized by the judge, and will subject the individual exhibit to elimination. All faults listed are to be considered equally when placements are made, with no one fault to be more serious than any other.

The Rat shall be of good size, does long and racy type, bucks being of a bigger build, arched over the loin, firm fleshed with clean, long head, but not too pointed at the nose. The eyes shall be round, bold, clean and of good size. The ears shall be of good size, well formed and widely spaced. The tail shall be cylindrical and as long as the body, thick at the base, tapering to a fine point. The ears, feet and tail shall be covered with fine hair.
-Taken from NFRS Standards of Excellence-