Mink und Mock Mink - die Farben der Ratte

Kathrin Guttmann Farben, Wissen, Zucht & Genetik

Mink ist das englische Wort für Nerz - und an das Fell eines Nerzes erinnert auch das Mink unserer Farbratten. Die Farbe sollte ein mittleres Braun-Grau sein ohne weiße Haare (Silvering) oder Flecken. Das Fell sollte einen bläulichen Schimmer haben. Die Füße haben sie selbe Farbe wie die Oberseite, die Augen sind schwarz (AFRMA, NFRS). Insgesamt hat die Farbe Mink eine große Variationsbreite und sowohl wärmere, als auch kühlere Brauntöne umfassen. Im Vergleich zu Chocolate ist es matter und hat weniger Rotanteil. Eine Sonderform des Mink stellt das nicht standardisierte Silvered Mink dar, bei dem das Fell mit einzelnen weißen Haaren durchzogen ist (siehe Bilder bei Zephyr Rats).

Abbildung: Mink Berkshire Blazed (Badger) Ratte

Die Geschichte der Farbe Mink

Die Farbe Mink hat eine ziemlich verwirrende Geschichte hinter sich. Als 1905 eine Ratte mit einer neuen Farbe auftauchte, dachte man zunächst, dass es sich um eine Variante von Blau handelt und benannte sie entsprechend. 1935 wurde in Laborstämmen im Rahmen von Linkage-Studien ebenfalls eine neue Farbe entdeckt, die die Forscher Castle und King mit Fawn Dilute (verdünntes "Rehfarben") benannten 1)Robinson, R. (1965). Genetics of the Norway Rat: International Series of Monographs in Pure and Applied Biology. Ihrer Meinung nach handelte es sich um eine Gen, das analog zum Chocolate-Lokus war. Die Fawn-Dilute-Tiere waren kaffeebraun und zusammen mit Englisch Blue (d) ergab Fawn Dilute die Farbe Lavender 2)Ann-Zophi Pålsson and Eva Johansson, The Color Safir (Mink/Lilac), Summer I 1997 AFRMA Rat & Mouse Tales news-magazine. 1977 wurde die Farbe Mink, die bis dahin "Blau" hieß, umbenannt und standardisiert. Ursache dafür war, dass man inzwischen ein weiteres Gen, dass eine blaue Farbe hervorruft, gefunden hatte und diese Farbe als Blau benannt werden sollte, da sie mit der blauen Farbe anderer Arten korrespondiert.

Abbildung: Mink Berkshire Harley Ratte

Genetik der Farbe Mink bei Ratten

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Bei Mink handelt es sich um eine Non-Agouti-Farbe, daher sind die Tiere immer reinerbig für das Non-Agouti- oder "Schwarz"-Allel aa. Hinzu kommt das auf dem Mink-Lokus liegende, gegenüber dem Non-Mink-Allel rezessive Mink-Allel in homozygoter Form, also mm. Daraus ergibt sich der Gencode aa mm für minkfarbene Ratten. Selbstverständlich dürfen keine weiteren Farben so vorliegen, dass sie sich phänotypisch ausprägen würden, da ansonsten Mischfarben mit Mink auftreten würden.

Bei der Farbe Mink kommt allerdings erschwerend hinzu, dass es zwei Varianten von Mink gibt: das UK-Mink und das American Mink oder Mock Mink (am am oder mo mo). Beide Farben sind optisch kaum zu unterscheiden, auch wenn das amerikanische Mink wärmer erscheinen soll und ihm der blaue Schimmer fehlt (vergleiche Ratvarieties). Verpaart man nun ein homozygotes UK-Mink Tier mit einem homozygotem American-/Mock-Mink-Tier, so erhält man schwarze Nachkommen, solange keine weitere Farbe ausgeprägt wird.

Anscheinend handelt es sich bei UK-Mink und Mock-/American-Mink nicht um zwei verschiedene Allel handelt, die auf dem selben Genort liegen, sondern um zwei verschiedene Genorte, da es anscheinend möglich ist, Tiere zu ziehen, die sowohl reinerbig für UK-Mink las auch Mock-/American-Mink sind, also den Gencode aa mm momo aufweisen. Auf der italienischen Seite "ratvarieties-fancyratitalia" finden sich entsprechende Abbildungen von Doppel-Mink-Merle-Tieren.

Dabei ist das American-/Mock-Mink-Allen inzwischen gut intersucht. Kuramoto et al. (20103)Kuramoto T1, Yokoe M, Yagasaki K, Kawaguchi T, Kumafuji K, Serikawa T. (2010), Genetic analyses of fancy rat-derived mutations, Exp Anim. 2010;59(2):147-55.) konnten das rezessive American-/Mock-Mink auf einem Locus aus dem 1. Chromosom im Abschnitt 95.5-103 Mb lokalisieren, wonach eine Kopplung mit allen anderen auf dem Chromosom 1 liegenden Genorten vorliegt. Das Gen ist vermutlich homolog zum Hermansky-Pudlak-Syndrom 5 Gen beim Menschen und dem Ruby-Eye-Gen 2 der Maus (Ru2).

Neben der Mink und der Mock Mink / Amerikcan Mink Mutation gibt es noch eine weitere Mutation, die ein minkfarbenes Erscheinungsbild hervorruft, das Australian Mink. Bei Mock Mink muss zwischen dem Amerikanischen Mink und Australischem Mink unterschieden werden. Amerikanisches Mink wird in den USA teilweise mit am abgekürzt, während es in Deutschland meist als  Mock Mink bezeichnet und mit mo abgekürzt wird. Australisches Mink wird dagegen in den USA als Mock Mink bezeichnet und mo abgekürzt, während es in Deutschland noch keine offizielle Abkürzung gibt

Abbildung: Double Mink Merle (Quelle: ratvarieties-fancyratitalia)

Abbildung: Mink Variegated Blazed Ratte

Farbvergleiche Mink Ratte

Abbildung: Farbvergleich

Abbildung: Farbvergleich

References   [ + ]

1.Robinson, R. (1965). Genetics of the Norway Rat: International Series of Monographs in Pure and Applied Biology
2.Ann-Zophi Pålsson and Eva Johansson, The Color Safir (Mink/Lilac), Summer I 1997 AFRMA Rat & Mouse Tales news-magazine
3.Kuramoto T1, Yokoe M, Yagasaki K, Kawaguchi T, Kumafuji K, Serikawa T. (2010), Genetic analyses of fancy rat-derived mutations, Exp Anim. 2010;59(2):147-55.