Die weise Frau Karni Mata lebte ihren Anhängern zufolge im 14. und 15. Jahrhundert in Indien. Bis sie im Alter von 151 Jahren spurlos verschwand, hat sie laut der Mythologie etliche Wundertaten vollbracht. Schon zu ihren Lebzeiten soll sie als Heilige verehrt worden sein. Ihr ist ein Temepl in Deshnoke, Indien geweiht, der von über 20.000 Ratten bevölkert wird.

Nach verbreiteten Legenden sind die Ratten Wiedergeborene eines Fürsten- und Bardengeschlechts, auch bekannt als Volk der Karni Mata. Als die weise Frau in der Gegend wirkte, wurde ihr ein Junge gebracht, der durch einen Unfall ums Leben gekommen war. In Trance bat die Heilige den Totengott Yama, das Kind wieder zu den Lebenden zu schicken. Doch Yama weigerte sich mit der Behauptung, das läge nicht mehr in seiner Macht, da die Seele des Jungen bereits anderweitig wiedergeboren sei.

Und so schwor Karni Mata, dass kein männliches Mitglied ihres Volkes je wieder das Totenreich des Gottes Yama betreten würde. Stattdessen sollten die Seelen der Verstorbenen als Ratte wiedergeboren werden, um dann im folgenden Leben als viel geachtete Barden wiederaufzuerstehen. Einer anderen Version zufolge war die Wiedergeburt als Ratte von vornherein ein Vorschlag des Totengottes, um eine Rückkehr des Jungen zu ermöglichen.

Einer anderen Legende zufolge sind die heiligen Ratten Seelenbehälter von Soldaten. Demnach soll einst eine 20.000 Mann starke Armee vor einer Schlacht nach Deshnok geflohen sein. Als Karni Mata erfuhr, dass sie desertiert waren, eine Sünde, die eigentlich mit dem Tode bestraft wird, ließ sie Gnade walten. Anstatt sie zu töten, verwandelte sie die Männer in Ratten und gab ihnen den Tempel als neues Zuhause. Aus Dankbarkeit versprachen die Soldaten-Ratten, ihr auf ewig zu dienen.