Ist meine Ratte zu dick und übergewichtig?

Kathrin Guttmann Gesundheit Leave a Comment

Übergewicht bei Haustieren wird zu einem immer größeren Problem. In den USA gelten etwa 55% der Hunde und 53% der Katzen als übergewichtig1)M. R. C. de Godoy, K. S. Swanson, COMPANION ANIMALS SYMPOSIUM: Nutrigenomics: Using gene expression and molecular biology data to understand pet obesity, Journal of Animal Science, Volume 91, Issue 6, June 2013, Pages 2949–2964, https://doi.org/10.2527/jas.2012-5860. Laut dem Institut für Tierernährung in Leipzig treffen für Deutschland ähnliche zahlen zu. Hier geht man davon aus, das etwas 40 Prozent der Hunde und Katzen in den Industrieländern Mitteleuropas seien übergewichtig sein (zitier nach SPIEGEL).

Auch für Farbratten stellt Übergewicht ein Risiko dar. Aber ab wann ist eine Farbratte übergewichtig?

Body Condition Score für Ratten

Reine Gewichtsangaben liefern wenig Informationen dazu, ob eine Ratte zu dick ist. Die Größe einer Farbratte ist stark von der jeweiligen Zuchtlinie abhängig und es gibt durchaus Linien, die 800g schwere Jungs hervorbringen, die eine perfekte sportliche Figur haben. Bei anderen Zuchtlinien kann dann schon ein 500g schwerer Junge deutliche Fettpolster aufweisen. Eine hilfreiche Orientierungsmöglichkeit bietet der sogenannte Body Condition Score für Ratten, der 2010 von Hickman & Swan entwickelt wurde und der in der Forschung eingesetzt wird.

Zwei Beispiele zum Thema Gewicht bei Ratten

Im Folgenden möchte ich zwei Rattenböcke vorstellen. Beide haben etwa das selbe Gewicht von 800g. Der erste Junge hat eine gute Kondition. Er hat eine angemessene Menge von Unterhautfett und ist gut bemuskelt. Wenn man das Fell an den Seiten abtastet, ist dort wenig Fettgewebe vorhanden.

Der zweite Rattenjunge dagegen zeigt deutliche Fettablagerungen an den Seiten.

Tipps gegen Übergewicht bei Ratten

Diät für alle?

Grundsätzlich ist es extrem schwierig, eine einzelne Ratte einer Gruppe auf Diät zu setzen. Da Ratten anders als z.B. Hunde nicht wenige Male am Tag für eine relativ kurze Zeit fressen, sondern über den ganzen Tag verteilt Nahrung zu sich nehmen, kann man das Futter nicht portionieren oder ein Tier bei der Fütterung heraus nehmen. Sollte es in einem Rudel sehr schlanke und deutlich übergewichtige Tiere geben, ist es eine Überlegung wert, ob man die Tiere nicht für eine gewisse Zeit dem Gewicht nach in zwei Untergruppen aufteilt. Der Nachteil ist hierbei natürlich, dass man nach der Diätphase wieder eine Integration der beiden Gruppen vornehmen muss. Aber manchmal ist das die einzige Möglichkeit, die Tiere ihren Bedürfnissen nach zu füttern.

Ernährungsumstellung

Bei übergewichtigen Tieren sollten grundsätzlich alle kohlenhydrat- und zuckerreichen Snacks wie z.B. Bananenchips, süßes Obst oder mit Honig gesüßte Knabberstangen gestrichen werden. Auch sehr fetthaltige Leckereien wie z.B. Nüsse sollten unbedingt gemieden werden. Insgesamt sollte man das Futter derart umstellen, dass der Kohlenhydrat- und Fettanteil gesenkt werden sollte zu Gunsten eines erhöhten Proteinanteils. Wichtig ist, dass man zu hochwertigen Proteinen greift wie z.B. zu magerem Geflügelfleisch (unter Umständen gegart), gekochten Eiern und getrockneten Insekten sowie Trockenfisch (im Zoohandel für Katzen und Hunde erhältlich). Darüber hinaus sollte man für die Zeit der Diät den Anteil von Frischfutter erhöhen. Dabei sollten vor allem Gemüse mit niedrigem Zuckergehalt ausgewählt werden wie z.B. Gurke, Zucchini, Paprika oder Kohlrabi gewählt werden. Weiterhin sollte den Tieren natürlich immer noch ein Grundfutter aus Getreide und Sämereien zur Verfügung gestellt werden. Bitte auf keinen Fall Farbratten ausschließlich mit Frischfutter ernähren! Im besten Fall kann man das Körnerfutter entsprechend den Bedürfnissen der übergewichtigen Ratte anpassen. Aus dem Mix herausfallen sollten vor allem Nüsse, einige ölhaltige Saaten wie z.B. Sonnenblumenkerne sowie besonders kohlenhydratreiche Getreide wie z.B. Mais, Puffreis. Zu bevorzugen sind Getreide und Sämereien, die noch in ihren Hüllen bzw. Schalen sind, so dass die Tiere lange mit dem Fressen beschäftigt sind.

Bewegung!

Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung von Bewegung. Übergewichtige Ratten sollten so viel Auslauf wie möglich bekommen und auch dazu angeregt werden, sich so viel wie möglich zu bewegen. Manche Ratten haben z.B. Spaß daran, Federwedel (die eigentlich für Katzen gedacht sind) zu jagen oder finden Gefallen an Katzenspielzeug. Ein gut strukturierter Auslauf mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten ist natürlich immer gut, aber bei einem wenig bewegungsfreudigen Dickerchen muss man vielleicht auch schon mal aktiv zum Spielen anregen. Viele Ratten haben Spaß an Kitzel- und Versteckspielen - aber hier ist man als Besitzer gefragt herauszufinden, was seiner Ratte am meisten gefällt. Auch eine übergewichtige Ratte sollte kein Laufrad oder Laufteller nutzen, da diese biomechanisch ungünstige Bewegungen erfordern. Ebenso sollte auch eine übergewichtige Ratte auf keinen Fall zu einem Spaziergang an der Leine nach draussen genommen werden!

Und jetzt heißt es: Geduld!

Die Speckpölsterchen, die sich eine Ratte unter Umständen über längere Zeit angefressen hat, schwinden nicht über Nacht. Daher sollte man viel Geduld mitbringen und nicht zu früh aufgeben. Das Gewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden, da zu schnelle Gewichtsabnahme auch nicht gut ist.

Sind es vielleicht doch die Gene?

Viele Rattenliebhaber haben bereits von sogenannten Fat-Ratten oder Zucker-Ratten gehört. Hierbei handelt es sich um Ratten, die eine Mutation tragen, die sie anfällig für Übergewicht und Diabetes machen. Die übergewichtige Ratte auf unserem Titelbild ist eine solche Ratte. Die Chance, dass ein Liebhaber zufällig an eine derartige Ratte gerät, ist aber praktisch 0. Labore geben Tiere aus ihren Stämmen nur extrem selten an Privatleute ab und wenn doch, dann achten sie sehr darauf, dass mit diesen Tieren nicht mehr gezüchtet werden kann. Selbstverständlich gibt es auch bei Farbratten eine gewisse natürliche Variabilität der Neigung zum Übergewicht. Genauso wie es auch bei uns Menschen einige gibt, die Essen können, was sie wollen, ohne zu zu nehmen und andere, die sehr auf ihre Ernährung achten müssen. Dennoch sollte Veranlagung keine Ausrede für ein ungesundes Übergewicht bei unseren Haustieren sein.

Abbildung: ZSF1 Ratte (rechts) im Vergleich zu einer Sprague-Dawley (SD) Ratte im Alter von 20 Wochen. Diabetic Nephropathy Is Associated with Oxidative Stress and Decreased Renal Nitric Oxide Production, Sharma Prabhakar, Joel Starnes, Shuping Shi, Betty Lonis, Ruc Tran, JASN Nov 2007, 18 (11) 2945-2952; DOI: 10.1681/ASN.2006080895

References   [ + ]

1. M. R. C. de Godoy, K. S. Swanson, COMPANION ANIMALS SYMPOSIUM: Nutrigenomics: Using gene expression and molecular biology data to understand pet obesity, Journal of Animal Science, Volume 91, Issue 6, June 2013, Pages 2949–2964, https://doi.org/10.2527/jas.2012-5860

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