Headspot - Zeichnungen der Farbratte

Kathrin Guttmann Wissen, Zeichnung, Zucht & Genetik

Ein Headspot (zu Deutsch „Kopffleck“) ist ein weißes Abzeichen auf der Stirn. Die Form kann dabei variieren. Ein Headspot tritt in der Regel zusammen mit anderen weißen Abzeichen. Er ist auf allen Farben möglich, wird auf hellen Farben aber unter Umständen nicht sichtbar.

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Der Standard der Ratte mit Headspot

Da ein Headspot immer in Verbindung mit einer Zeichnung auftritt, gibt es bei der American Fancy Rat and Mouse Association (AFRMA) und der National Fancy Rat Society (NFRS) keinen gesonderten Standard für einen Headspot. Bei der AFRMA sind Headspots in Verbindung mit der Zeichnung Variegated und Roan zugelassen, bei Essex ist ein Headspot vorgeschrieben. Der Headspot sollte sich auf der Stirn befinden, zentral positioniert, rund oder oval und nicht größer als das Auge der Ratte sein. Die NFRS erlaubt einen Headspot bei Variegated und Chinchilla und schreibt ihn bei Essex vor.

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Die Genetik der Headspots

Vielfach findet sich die Angabe, dass Headspots immer zusammen mit Zeichnungs-Allelen des Hooded-Locus H auftreten, da Self-Ratten zeigen keine Headspots zeigen. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass es sich bei Headspot um ein Allel auf dem H-Lokus handelt oder dass eine genetische Kopplung mit Allelen auf dem H-Locus vorliegt. Robinson (19981)Robinson, R. (1998), Headspot and Dilute Mutation in the Norway Rat, The Journal of Heredity 89(1), 100-101) konnte zeigen, dass beides nicht der Fall ist. In einem Bestand von Agouti-Ratte wilden Ursprungs wurden Tiere mit Headspots gefunden. Verpaarungen von Agouti Headspot x Agouti ergaben in der F1 nur Agouti-Tiere, in der F2 fielen 40 Agoutis, 11 Agoutis mit Headspots, 9 Blacks und 4 Blacks mit Headspot. Dies weist auf ein einfaches rezessives Allel hin. Untersuchungen bezüglich eines möglichen Allelismus des Headspots zu Hooded zeigen, dass es sich bei Headspot um einen eigenen Lokus handelt, der mit hs abgekürzt wird. Linkage Studien weisen darauf hin, dass dieser Lokus nicht mit dem Hooded-Lokus verbunden ist. Auffällig war, dass alle F2 Ratten einen weißen Bauchfleck hatten, wie er ansonsten nur durch die Allele h(i) und h des Hooded-Lokus verursacht wird. Da aber der Headspot-Lokus nicht mit dem Hooded-Lokus verbunden ist, muss der Bauchfleck auf andere Art entstehen. Robinson (19982)Robinson, R. (1998), Headspot and Dilute Mutation in the Norway Rat, The Journal of Heredity 89(1), 100-101) zufolge ist der Fleck unabhängig vom Hooded-Allel und ist eine Folge einer unvollständigen Migration von Melanoblasten vom Neuralrohr aus. Das Vorliegen eines h(i)-Allels vergrößert den Fleck, das Vorliegen des h-Allels führt dazu, dass der Bauch fast vollständig weiß wird. Der Genort, auf dem der Headspot kodiert wird, liegt auf dem Chromosom 15 auf Position 84.6-91.2 MB, das zuständige Kandidaten-Gen ist das Endothelin-Rezeptor-Typ-B-Gen EdnrB (Kuramoto et al. 20103)Kuramoto T1, Yokoe M, Yagasaki K, Kawaguchi T, Kumafuji K, Serikawa T. (2010), Genetic analyses of fancy rat-derived mutations, Exp Anim. 2010;59(2):147-55). Robinson (19984)Robinson, R. (1998), Headspot and Dilute Mutation in the Norway Rat, The Journal of Heredity 89(1), 100-101) gelang es außerdem, durch gezielte Selektion in Richtung größerer Headspots Blessen zu erzielen in Form eines umgekehrten Vs. Oft waren diese Blessen unregelmäßig gezeichnet. Dies weißt darauf hin, dass das Headspot-Allel auch in Form einer rezessiven Blesse (im Gegensatz zur Dominant-White-Spotting-Blesse) vorliegen kann.

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References   [ + ]

1, 2, 4. Robinson, R. (1998), Headspot and Dilute Mutation in the Norway Rat, The Journal of Heredity 89(1), 100-101
3. Kuramoto T1, Yokoe M, Yagasaki K, Kawaguchi T, Kumafuji K, Serikawa T. (2010), Genetic analyses of fancy rat-derived mutations, Exp Anim. 2010;59(2):147-55